Lärm als Umweltverschmutzung



Geräusche begleiten den Alltag. Ob im Auto, am Arbeitsplatz oder zu Hause – im Gegensatz zu den Augen kann man die Ohren nicht schließen. Manche Geräusche werden als angenehm empfunden, andere nicht, aber häufig ist es einfach nur zu laut. Steigende Verkehrsdichte, erhöhter Flugverkehr, schnellere Produktionsstraßen oder leistungsstärkere Windkraftanlagen sind nur einige Beispiele, die Mensch und Umwelt mit steigenden Geräuschpegeln belasten.

Lärm stellt die Umweltverschmutzung Nummer 1 in Deutschland dar, weil Lärm im Gegensatz zu Umwelt-Giften direkt mit den körpereigenen Sinnen (Hörsystem) erfasst wird und weil die psychischen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Lärm und die daraus resultierenden Stressreaktionen einen hohen volkswirtschaftlichen Schaden anrichten. So zählt die Lärm-Schwerhörigkeit aufgrund ständiger, unausweichlicher und hoher Lärmexposition am Arbeitsplatz zu den häufigsten entschädigungspflichtigen Berufskrankheiten in Deutschland.

Den Lärm entdecken

Neben der Lärmschwerhörigkeit kann der Lärm auch als Stressor wirken. So ist nach Angaben des Umweltbundesamtes davon auszugehen, dass das Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden, sich dann um 20% erhöht, wenn die Straßenverkehrslärmbelastungen oberhalb von 65 dB(A) liegen. Neben körperlichen Stressreaktionen sind auch massive Belästigungswirkungen zu beobachten.

Die Deutschen fühlen sich am meisten durch Straßenverkehrslärm, Nachbarschaftslärm, gefolgt vom immer weiter steigenden Flugverkehr belästigt. Allerdings ist das Umweltbewusstsein für Lärm trotz einer Reihe von Aktionen verschiedener Verbände (z. B. Tage gegen den Lärm, Zeitschrift für Lärmbekämpfung, Lärmprävention der Krankenkassen) nicht sehr stark ausgeprägt.

Der Hörgarten greift daher auch das Thema Umweltverschmutzung durch Lärm auf: Sie können sich spielerisch über die Funktionsweise und Sensibilität des Ohres informieren und so einen Zugang zu der Schädlichkeit der Umweltbelastung Lärm gewinnen. Erreicht werden soll das u.a. durch die folgenden drei Exponate:
  1. Demonstrationsprojekt zum Mittelohr
    Das Mittelohr überträgt Schallschwingungen von der Luft (Trommelfell) in die wasser-gefüllte Schnecke des Innenohrs und ist damit ein wesentliches Bindeglied dafür, Umweltgeräusche überhaupt hörbar zu machen. Bei diesem Demonstrationsversuch wird das Flächenverhältnis bei der Transformation des Schalldrucks thematisiert und zugleich die Schallproduktion durch Luftströmung verdeutlicht.
    zur Mittelohr-Pauke

  2. Cochlea-Modell
    Im anschließenden Innenohr wird der Schall nach Frequenzen aufgespalten. Da die gefährlichste Lärmwirkung eine schädigende Überstimulation der Cochlea (insbesondere der sensitiven Haarzellen im Innenohr) darstellt, ist das Thema Cochlea-Mechanik für die Demonstration möglicher Lärmwirkung von besonderer Bedeutung.
    zum Cochlea Modell

  3. Windharfe
    Die Bedeutung des Lärms wird beim konzentrierten Hören auf eine bestimmte akustische Szene besonders deutlich: Die Windharfe produziert bei Wind einen leisen, nur im Inneren der Windharfe hörbaren Ton. Aufgrund der nahe liegenden Autobahn, die auch innerhalb der Windharfe gut hörbar ist, wird dieser Ton jedoch leicht verdeckt. Daher eignet sich dieses Experiment besonders gut, die Einschränkung der Hörbarkeit wichtiger natürlicher Klangphänomene durch umweltverschmutzende Lärmeinwirkung (Autobahn) plastisch zu demonstrieren.
    zur Windharfe

Gesundheitliche Folgen

Die Folgen für die Gesundheit sind nicht zu unterschätzen: Ab 120 dBA besteht bereits akute Verletzungsgefahr für Hörzellen, bei einem Knall von 150 dBA platzt das Trommelfell. 180 dBA sind tödlich. Um wirklich konzentriert geistig tätig sein zu können, dürfen die Umweltgeräusche nicht über 55 dBA anschwellen. Will man einfache, mechanisierte Tätigkeiten fehlerfrei ausführen, darf es die Umwelt auf nicht mehr als 70 dBA bringen. Bei Dauergeräuschen von einer Lautstärke ab 85 dBA beginnen die feinen Hörzellen des Ohres bereits abzusterben, ohne dass der Betroffene das merkt. Der entstandene Schaden ist aber auch mit den Errungenschaften der High-tech-Medizin nicht mehr zu reparieren. Die Folge: Lärmschwerhörigkeit bis zur Taubheit. Auch immer mehr Tinnitusfälle werden laut ärztlicher Meinung durch Lärm verursacht.






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